Kritik zu „Leonce und Lena“ (BZ Plus)

Langeweile als einziger Lebensinhalt


Eberhard Longhorn will es wissen

Die kriminelle Westernkomödie „Wer war George Kaplan?“ feiert in Auerbachs Kellertheater Premiere / Spannung und viel Humor.

Foto: Dr. Thomas Coch

 

STAUFEN. „Wer war George Kaplan?“ Angesichts dessen, dass es den geheimnisumwitterten Mann eigentlich gar nicht gibt, eine interessante Frage. Just um die dreht sich alles in dem gleichnamigen Stück, das in der Silvesternacht im ausverkauften Auerbachs Kellertheater in Staufen gleich zweimal aufgeführt wurde.

Die Idee zu der Inszenierung lieferte Altmeister Hitchcock mit dem 1959 gedrehten Filmklassiker „Der unsichtbare Dritte“, in dem Cary Grant als unbescholtener New Yorker Werbefachmann Roger O. Thornhill per Zufall in den Fokus einer Geheimdienst-Intrige gerät und quer durch die Vereinigten Staaten flüchten muss.

Spannung, Intrigen, Lügen und Liebe: Regisseur Eberhard Busch hat den Filmstoff adaptiert – und auf seine ganz eigene Art und Weise mit viel Humor ideenreich auf die Bühne gebracht, nämlich als kriminelle Westernkomödie. Und zudem die Quadratur des Kreises bewältigt, mit gerade mal vier Darstellern für jede Menge Action und zahlreiche Lacher beim Publikum zu sorgen, das sich nur allzu gern in den Strudel der Ereignisse reißen lässt.

Auftakt der turbulenten Handlung ist irgendein verschlafenes Nest in Texas, wo sich gleichermaßen Cowboyhüte tragende Schurken wie munter vor sich hinmurmelnde Pferde auf zwei Beinen herumtreiben. Eben noch mit seiner stark sächselnden Mutter, einer „sachsen-anhaltinische Schönheit“, (Running Gag: Eberhard Busch aus dem Off) in ein Telefongespräch vertieft, wird der Geschäfts- und Lebemann Roger Eberhard (?) Longhorn (Carsten Däntjer) von finsteren Gesellen (Wolfgang Schäfer und Thomas Müller) entführt. Erbarmungslos füllen die ihn mit Whisky ab und setzen ihn zu einer letzten tödlichen Fahrt in einen als Kutsche umfunktionierten Leiterwagen – ohne Pferd, versteht sich.

Was dann folgt, ist ein herrlicher, augenzwinkender Spaß mit vielen Gags, rasanten Szenenwechseln und bestens aufgelegten Schauspielern, die sich blitzschnell von einer Rolle in die andere stürzen. Jasmin Islam etwa. Zunächst gestresste Sekretärin, taucht sie im nächsten Moment als Lucky-Luke-Heft lesender Friedensrichter oder als kesses Zimmermädchen Putzi im Fransenrock auf, bevor sie sich endgültig in die attraktive Blondine Eve Kendall verwandelt, die Roger Eberhard Longhorn gründlich den Kopf verdreht. Oder Thomas Müller, der mit unnachahmlicher Mimik nicht nur den Schurken Leonhard, sondern auch den Sheriff, einen „La cucaracha“ trällernden Mexikaner, einen dienstbeflissenen Zugschaffner und einen an Komik nicht zu überbietenden Auktionator gibt – um nur einige Figuren zu nennen, mit denen er das turbulente Theaterstück bereichert. Genauso vielseitig und mit dem richtigen Maß an komödiantischem Einsatz präsentiert sich auch Wolfgang Schäfer als Bösewicht Vandamm in rotem Frack oder als Mordopfer, dem im wahrsten Sinn des Wortes der Dolch in den Rücken gestoßen wird, nicht zu vergessen sein bezaubernder Auftritt als edles Ross. Treffsicher besetzt mit Carsten Däntjer ist die Figur des Roger Eberhard Longhorn, der – egal, ob nüchtern oder betrunken – souverän seine wilden Abenteuer im Wilden Westen meistert.

Überzeichnete Figuren (whiskyschlürfende CIA-Agenten in hellen Trenchcoats und Sonnenbrillen), intelligent in Szene gesetzter Klamauk (die Versteigerung einer wertvollen Statuette, die verdächtig an einen Nussknacker erinnert) garantieren einen unbeschwerten Theaterspaß, bei dem die Pferde eimerweise Whisky „geschüttelt, nicht gerührt“ trinken dürfen und eine Hinrichtung verschoben wird, weil es dem Delinquenten nicht gut geht.

Dennoch kommt die Original-Filmvorlage in Buschs Inszenierung nicht zu kurz: Jene legendäre Szene beispielsweise, in der Cary Grant auf einer einsamen Landstraße von einem Sprühflugzeug angegriffen wird. Nur eben ohne Flugzeug, was der wilden Verfolgungsjagd keinerlei Abbruch tut. Im Gegenteil: Wenn Longhorn hoch zu (hölzernem) Ross dem Anschlag entrinnt, bleibt kein Auge trocken. Selbst für dezent angedeutete Erotik ist gesorgt, wenn sich Eve und Longhorn auf einem schmalen Bett in der dampfenden und schnaubenden Eisenbahn endlich näherkommen. Kurzum: Das Ensemble lässt es auf der Bühne ordentlich krachen. Wer sich einen kurzweiligen und unbeschwerten Abend bereiten will, ist in Auerbachs Kellertheater jedenfalls bestens aufgehoben.

 

Von Ute Wehrle.

Di, 02. Januar 2018, Badische Zeitung

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/staufen/eberhard-longhorn-will-es-wissen–147585376.html